65 Jahre Europäische Bildungs- und Begegnungszentren

Am 5.5.2017 feierten die Europäischen Bildungs- und Begegnungszentren (EBZ) im Bildungshaus Bad Nauheim ihre Gründung vor 65 Jahren im Tessin. Gastgeber war das EBZ Hessen: der Hessische Volkshochschulverband zusammen mit dem Bildungshaus Bad Nauheim.

Über 60 Gäste aus Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Österreich, Schweden und der Türkei waren der Einladung gefolgt; darunter auch 14 Teilnehmer/innen des aktuellen EU-Projekts der EBZ. Sie waren gekommen, um der Gründung 1952 in Ronco/s. Ascona zu gedenken und über die Entwicklung der EBZ zu diskutieren. Diese wurden als europäisches Friedensprojekt in der interkulturellen Schweiz mit ihrer Mischung aus deutscher, französischer und italienischer Sprache und Kultur gegründet. Von den sich rasch über Europa verbreitenden Ferien-Heimvolkshochschulen, wie die EBZ in den ersten Jahrzehnten hießen, sollte in der noch sehr präsenten Nachkriegszeit ein Signal zum gegenseitigen Verstehen und Verständnis ausgehen. Das institutionelle und pädagogische Konzept der EBZ war von Anbeginn das Zusammenleben und –lernen in einer Region, die durch Aktivurlaub (1-2wöchig) mit ortsansässiger Begleitung bestmöglich kennengelernt und verstanden werden soll. Genutzt wurde dieses Angebot in vielen europäischen Ländern vorrangig von Volkshochschulen, kirchlichen und kulturellen Verbänden und Vereinigungen. Später kamen Einzelreisende hinzu, die an den Programmangeboten teilnahmen.

Die Stellvertretende Präsidentin des Hessischen Landtags und Vorsitzende des Hessischen Volkshochschulverbandes, Heike Habermann, und die Landrätin des Landkreises Gießen, Anita Schneider, sandten herzliche Grußworte und sicherten ihre weitere Unterstützung für die EBZ zu.
Mit einem Film informierte Gerhard Wahl über die Geschichte der EBZ in Bildern von früheren und heutigen EBZ sowie einem ausführlichen Statement von Willi Gropengießer, dem Sohn des Gründers und langjährigen Leiters des Andragogiums Ronco. Mit italienischer Akkordeon-Musik verzauberte Nicola Corsinovi (eingeladen vom EBZ Villa Palagione) die Anwesenden und Alyth McCormack, Sängerin der Chieftains (eingeladen vom EBZ Irland) sang sich mit nachdenklichen irischen und schottischen Liedern zur Emigration und Immigration in die Herzen der Gäste.

Die Ziele der EBZ schienen in vieler Hinsicht mit der europäischen Einigung in den neunziger Jahren erreicht; sie sind aber in letzter Zeit mit aufflammendem Nationalismus wieder erschütternd aktuell geworden. So ist bereits jetzt geplant, dem als Antwort auf die Flüchtlingskrise entwickelten aktuellen EU-Projekt „Cultural diversity: Practices of parental education“ ein neues Projekt zur Weiterentwicklung der Demokratie in Europa folgen zu lassen. Die EBZ werden sich in den Ländern, in denen sie vertreten sind, mit den Aspekten von Populismus, Nationalismus und Rassismus auseinandersetzen und gemeinsam Bildungsangebote entwickeln und diese in internationalen Seminaren umsetzen. In diesem Sinne waren zur Jubiläumsveranstaltung zwei Referenten eingeladen: Alan Smith, der nach leitenden Positionen im europäischen Bildungswesen in den letzten beiden Jahrzehnten Koordinator für die Bildungsprogramme Grundtvig, Erasmus, Comenius und Sokrates war. Er erläuterte kenntnisreich den Weg zum aktuellen Erasmus plus-Programm und dessen vielfältige Chancen. Martin Lätzel vom Kultusministerium in Schleswig-Holstein machte in einem engagierten Beitrag die Bedeutung und Erfolge grenzüberschreitender Zusammenarbeit schon auf regionaler Ebene deutlich, nicht ohne darauf zu verweisen, dass die historischen und kulturellen Grenzen durchaus zu beachten sind und dabei - ohne zu trennen – auch der Integration dienen.

Wichtig war und ist bis heute die Unabhängigkeit der Einrichtungen, deren Spektrum von privat geführten Bildungshotels bis zu Verbänden mit Bildungshaus reicht. Die Europäische Bildungs- und Begegnungszentren e.V. sind Mitglied bei EAEA (European Adult Education Association) mit Sitz in Brüssel.  Die Organisation als Verein eröffnet den EBZ gute Voraussetzungen für Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit, Fortbildung in europäischer Bildungspolitik, Pflege einer gemeinsamen Homepage und für andere Formen der Information und Werbung. Darüber hinaus finden vielfältige Kooperationen direkt zwischen den Mitgliedern statt. Weil bekannte und zuverlässige EBZ-Partner aus Nord/West/Ost/Mittel- und Süd-Europa als Basis vorhanden sind, wird die Entwicklung und Beteiligung an europäischen Projekten erleichtert. Das erfolgreichste EU-Projekt war „Weiterbildungsmarketing in Europa“ mit 8 teilnehmenden EBZ über 2 Jahre in 7 Ländern. Große Aufmerksamkeit erhielt auch das gemeinsame EU-Projekt „Europäische Lebenswerte vermitteln“. Neben einer seit fast 20 Jahren laufenden kunst- und kulturorientierten Veranstaltungsreihe werden jährlich  Seminare in mindestens einem der EBZ angeboten, die sich mit aktuellen europäischen Themen befassen. So zum Beispiel in 2015 ein einwöchiger Studienaufenthalt (Bildungsurlaub) zur Vergangenheit und Gegenwart (Nord-)Irlands – dies zu einem Zeitpunkt, als man noch nichts von der für den Frieden auf der irischen Insel gefährlichen Brexit-Entscheidung Großbritanniens ahnte.

Aktueller Vorstand des EBZ e.V.: Antonella Stillitano (Vorsitzende/Präsidentin, Toskana); Lars Häger (Stv. Vorsitzender, Schweden); Bernhard S.T. Wolf (Stv. Vorsitzender, Hessen). Aktuell gibt es EBZ-Mitglieder in Hessen/Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Kroatien, Österreich, Schweden und der Slowakei; kandidierend: Nordsee Akademie Schleswig-Holstein/Deutschland.             

Bernhard S.T. Wolf, Frankfurt, Juni 2017
 



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